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Kommunalwahl 2016 in Osterode

Wahlkampf 2016 in Osterode

Parteien/Zeitung vs. Bürger - Vom Reden und Zuhören

Von Dr. Wolfgang Wegener

Eine (konstruktive) Glosse

Wahlkampfzeit! Zeit, sich an Altmeister Harald Schmidt zu erinnern: "Das Volk will nicht nur seine Ruhe und keinen Streit. Das Volk will auch keine Konzepte".

Offenbar orientiert man sich daran. So fordert die Osteroder CDU mit Ausrufungszeichen "Mehr Osterode!" (??). Und die Bad Sachsaer CDU fordert schlicht: "Mehr Geld". "Der Zukunftsvertrag muss laut Lutz Rockendorf dringend nachverhandelt werden", schrieb der Harzkurier. "Wir fordern Gerechtigkeit". Walkenried erhalte 10,2 Mio. Euro Stabilisierungshilfe. Inklusive Bedarfszuweisungen seien dies fast 1000 Euro mehr pro Einwohner als nach Bad Sachsa durch den Zukunftsvertrag fließen würden, und im Gegensatz zu Walkenried habe Bad Sachsa den Bürgern viel abverlangt.

Also, auf gut Deutsch: Das Land solle so tun, als ob Bad Sachsa ebensowenig gespart habe (??). Na gut, dann wäre der Finanzbedarf natürlich höher, als er jetzt tatsächlich ist. Immerhin, so Rockendorf, müsse auch Bad Sachsa "durchdachte Konzepte" vorlegen, "wo man noch Sparpotential sieht". Tja, mal raus damit. Wenn nicht jetzt, wann denn dann? (Ach ja, Harald Schmidt).

Wie wärs denn damit? Walkenried hat 4715 Einwohner (Stand 30.6.2014) und einen Bürgermeister, Bad Sachsa hat 7557 Einwohner und einen Bürgermeister. Macht zusammen 12272 Einwohner und zwei Bürgermeister. Für eine mittelfristig tragbare Lösung bräuchte man eigentlich mindestens 20 000 Einwohner wie in Osterode. Fehlt also noch Bad Lauterberg mit 10878 Einwohnern. Macht zusammen also 23059 Einwohner und drei Bürgermeister. Übrigens haben Herzberg (13400 Einwohner) und Hattorf (7602 Einwohner) zusammen 21002 Einwohner und zwei Bürgermeister. Und Bad Grund und Osterode haben ja immerhin schon mal ein gemeinsames Standesamt.

Anmerkung: Der Harzkurier veröffentlichte diesen Leserbrief nicht. Schade eigentlich, denn ich bin ja möglicherweise nicht der einzige (normale) Bürger, der sich nicht ernstgenommen fühlt, und es hätte vielleicht sogar eine kleine Diskussion gegeben. So jedenfalls (ich bin da ja möglicherweise nicht der Einzige, der nicht zu Wort kommt) befindet sich die Auflage dieser glattgebügelten Heimatpostille weiter im ungebremsten freien Fall.

Update vom 31. 8. 2016 - Reaktionen

Zur Frage, warum dieser Leserbrief nicht veröffentlicht wurde, kann ich natürlich nichts sagen. Derzeit ist die Zeitung voll mit Kommunalpolitik: Pressemitteilungen der Parteien, Fotos der Kandidaten usw.. Leserbriefe von Bürgern mit Fragen, Anregungen, Lob oder Kritik sind nicht zu finden. Keine Ahnung, vielleicht wurde da noch mehr "entsorgt", oder das Interesse ist tatsächlich sehr gering. Vielleicht ist ja auch der naheliegende Vorschlag, etliche Gemeinden im Landkreis zu fusionieren, zu "groß" für einen Normalbürger? (Erinnert mich an dies hier).Und damit eigentlich Sache der Wahlkämpfer, denen aber zumindest in Bad Sachsa nicht viel einfällt? Wie gesagt: Keine Ahnung. Mich erinnern etliche "Journalisten" nicht nur hier, sondern auch auf Bundesebene, z. B. im Fernsehen, zunehmend an das Buch "Der Untertan" von Heinrich Heine. Da läuft jemand, ununterbrochen buckelnd und den Hut ziehend, neben dem Herrscher hoch zu Ross her und ruft immer "Bravo, bravo!" Egal, wer herrscht: Hauptsache, es ist der Herrscher.

Mehr dagegen kann ich zur Frage sagen, was genau unter einem "ungebremsten freien Fall" der Auflage zu verstehen ist, und ob dieser ggf. dazu führen wird, dass es den Harzkurier bald nicht mehr gibt. Nein, das ist aus zwei Gründen unwahrscheinlich. Im zweiten Quartal 2016 betrug die verkaufte Auflage 13437 Exemplare. Da ist noch viel Luft nach unten. So kann sich etwa der Seesener Beobachter auch mit 4312 verkaufter Auflage noch halten. Zum Zweiten kommt es wirtschaftlich gesehen nicht auf die Höhe der Auflage an, sondern auf die Einnahmen. Ich betrachte mal die Abos, die 95 Prozent der Verkäufe ausmachen.

2006: 17243 Abos a 16,80 Euro/Monat (Einnahmen: 289682 Euro/Monat).
2011: 15103 Abos a 22,20 Euro/Monat (Einnahmen: 335286 Euro/Monat),
2016: 12889 Abos a 30,20 Euro/Monat (Einnahmen: 389247 Euro/Monat).

Auf 10 Jahre bezogen sank also die Zahl der Abos um 25 Prozent, die daraus resultierenden Einnahmen stiegen um 34 Prozent. Die Abo-Einnahmen sind also nicht gesunken, sondern gestiegen, und zwar sogar überproportional. Neben dem Anstieg der Verbraucherpreise in diesem Zeitraum in Höhe von etwa 13 Prozent ist dabei auch zu beachten, dass mit sinkender Auflage zwangsläufig auch die Werbeerlöse zurückgehen. Zudem kommt bei der Werbung insbesondere wohl auch durch die Internetzeitung Eseltreiber Konkurrenz auf. Letztere lebt von vielen Bildern, die auf diversen Veranstaltungen gemacht werden und die nach dem Motto: "Wo komme ich denn vor" zu etlichen Klicks führen. Nach Einführung einer harten Bezahlschranke und lediglich 274 ePaper Verkäufen (davon 175 im Abo) hat der Harzkurier im Internet praktisch aufgehört zu existieren. Auch das dreimonatlich erscheinende (Hochglanz)Magazin Kornmagazin zieht etliche Anzeigen auf sich. In diesen reinen Werbemedien kann naturgemäß nicht Politik gemacht werden. Das wäre eigentlich das Alleinstellungsmerkmal der Tageszeitung. Aber, und das zeigt der abgelehnte Leserbrief: Man will wohl keine Diskussionen, man will seine Ruhe. Warum auch nicht? Geht doch!

Zur Frage, ob ich denn noch einmal mit der FWG zu einer Kommunalwahl antreten werde: Eher nicht. An dem von mir zitierten Satz Harald Schmidts "Die Leute wollen ihre Ruhe und keinen Streit. Sie wollen auch keine Konzepte" ist ja durchaus was dran. Die FWG hat in meiner letzten Wahlperiode bis 2011 jeden ersten Dienstag im Monat mit Themensetzung per Zeitung zu einem bürgeroffenen Stammtisch eingeladen. (Meines Wissens war das auch der einzige öffentliche Stammtisch der im Rat vertretenen Parteien). Diese Treffen fanden auch statt, das Interesse "normaler" Bürger daran (Fragen stellen, Anregungen geben, oder schlicht "Dampf ablassen") hielt sich aber in engen Grenzen. Ich habe dies gelassen zur Kenntnis genommen und beschlossen, 2011 nicht mehr zu kandidieren.

Möglicherweise hat der Harzkurier das gar nicht mitbekommen. Zumindest wurde 2011 nicht berichtet, dass die FWG erstmals seit 1981 nicht mehr im Rat sein würde (geschweige denn nach dem Warum gefragt). Und selbst heute, fünf Jahre danach, bin ich (mittlerweile zweimal) unter Fristsetzung gebeten worden, zur Wahl 2016 zehn Fragen an die FWG zu beantworten. Ansonsten, so wurde gedroht, müsse man in der Übersichtsdarstellung der Parteien bei den Freien Wählern eine Lücke lassen, um zu dokumentieren, dass "alle sich zur Wahl stellenden Parteien" befragt worden seien. (Ich beklage mich nicht (vermutlich eh sinnlos), denn für diese Website war das ja gut).

Soviel mal zum guten Schluss zur Frage, was denn von Aussagen in einer an alle Haushalte verteilten Werbung des Harzkurier ("Mit Überzeugung") zu halten ist. "Alles spricht für den Harzkurier", heißt es da: "Informationen sorgfältig recherchieren, kritisch hinterfragen, Hintergründe aufzeigen und aufklären - dies alles leistet ihre Tageszeitung täglich neu. Damit Sie auch die Nachricht hinter der Nachricht erfahren".

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