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WiBO

Geschäftsbericht 2006 der Wirtschaftsbetriebe Osterode

Dr. Wolfgang Wegener (FWG) im Finanzausschuss (Redemanuskript)

Rekorddefizit nach Saunaerweiterung

Anrede,

beim letzten Bericht über die WiBO über das Geschäftsjahr 2005 konnte die eigentlich spannende Frage noch nicht beantwortet werden: Wie wirkten sich die erheblichen Investitionen der Stadt (1,5 Mio. Euro) in eine neue Sauna-Landschaft im Erlebnisbad Aloha auf die Besucherzahl, das Defizit und den Kostendeckungsgrad aus? Grund: Erstens wurde die Saunalandschaft erst im Jahr 2005 gebaut nebst zwangsläufiger Beeinträchtigung des Betriebes, voll in Betrieb ging sie Anfang 2006. Dass 2005 als Ergebnis einer Betriebsprüfung beim Aloha einmalige Erträge aus der Nachaktivierung von Gegenständen des Anlagevermögens in Höhe von 174 T€ als sonstige betriebliche Erträge zu buchen waren, ist ein zweiter Grund, diesmal nicht mit dem Vorjahr zu vergleichen, sondern mit dem Vorvorjahr 2004.

Aloha bricht (fast) alle Rekorde

Als Ergebnis dieser mit den Umbaumaßnahmen verbundenen Attraktivitätssteigerungen stieg die Besucherzahl von 215 338 Besuchern 2004 auf 232 890 Besucher 2006. Die Verwaltung weist zu Recht darauf hin, dass dies Rekord sei. Eigentlich ist diese erfreuliche Entwicklung kein Wunder: Im Besucherdurchschnitt wurden 2006 bei tatsächlichen Kosten von etwa 12 € durchschnittlich lediglich 3 € Eintritt an der Kasse fällig. Insgesamt kosteten Stadthalle und Aloha im Jahr 2006 2,8 Mio. €. Es purzelten aber auch noch weitere Rekorde, auf die die Verwaltung leider nicht hinweist. So steigt das Defizit beim Aloha nach voller Inbetriebnahme der Sauna von 1,7 Mio. € 2004 auf 2 Mio. € 2006 - lediglich einmal, nämlich 2002 - hatten wir ein um 50 T€ geringfügig höheres Defizit. Das entsprechende Defizit ohne Kapitalkosten stieg entsprechend von 755 T€ auf 1.1 Mio. €: Dies ist tatsächlich Rekord ! Der Zuschuss pro Besucher ohne Kapitalkosten stieg von 3,5 auf 4,7 €: Ebenfalls Rekord. Der Kostendeckungsgrad ohne Kapitalkosten - also aus dem laufenden Betrieb - sank von 46.4% auf 41.4 %, dies ist der niedrigste Kostendeckungsgrad seit 1999 (40,7 %). Festzuhalten ist ferner, dass incl. Kapitalkosten der tatsächlich vom Betreiber (letztlich vom Strom- und Gaskunden der Harzenergie) zu zahlende Defizitausgleich mittlerweile 8 € und 58 Cent pro Besucher beträgt (2004: 7.92 € pro Besucher).

Waldschwimmbad Lerbach und Stadthalle

Der Bericht geht ebenfalls und zwar fettgedruckt auf das Waldschwimmbad Lerbach ein: "Die in den vergangenen zehn Jahren geringe Frequentierung des Waldschwimmbades muss bei der Entscheidung über umfangreiche Sanierungsarbeiten berücksichtigt werden". 3410 Besucher (davon 480 Ferienpassinhaber) hatte das Waldschwimmbad 2006 (3 255 im Jahr 2004, davon 1 190 Ferienpassinhaber): Jede Eckkneipe wäre bei 9 Besuchern täglich im Jahresdurchschnitt wohl pleite, und die FWG wird Investitionen ins Waldschwimmbad zumindest in erheblicher Höhe auf keinen Fall zustimmen. Schließlich steht nach dem Artilleristen-Motto: "Nicht kleckern, sondern klotzen" ein exzellentes Bad - das Aloha - in wenigen Kilometern zur Verfügung. Nach wie vor ist die Stadthalle exzellent bewirtschaftet, bei den Abos ist die theoretische Füllungsgrenze wieder erreicht, der Geschmack des Osteroder Publikums wurde (wieder einmal) getroffen.

Sinkende Einnahmen von Harzenergie

Finanziert wird die gesamte Veranstaltung - wie oben bereits angemerkt - durch die Erträge des lokalen Energieversorgers Harzenergie, an dem die Stadt Osterode am Harz einen Anteil von 27,55 % (Kommanditeinlage: 4.75 Mio. €) hält. Die Erträge dieser Beteiligung fließen den Wirtschaftsbetrieben zu und sinken nach 5,83 Mio. € 2005 auf 5.66 Mio. € 2006, die Auswirkungen weiterer Liberalisierungen auf dem Gasmarkt (da gibt es noch viel zu tun) und dem Strommarkt (da geht es voran) bleiben abzuwarten, der Trend scheint sich aber fortzusetzen, 2007 sind im zweiten Nachtrag lediglich noch Einnahmen von 4,3 Mio. € prognostiziert. Die FWG im Stadtrat fordert seit Jahren, die Angreifbarkeit der Stadt durch das Aloha abzubauen. Auch da geht es voran, ausnahmsweise sogar in die richtige Richtung: Der Gesamtbetrag der Verbindlichkeiten der WiBO sinkt von 12.1 Mio. € 2005 auf 9.8 Mio. € ab, die Eigenkapitalquote steigt von 43.8 auf 54.4 %.

Bericht über die Sitzung des Finanzausschusses

Da die WiBO - Geschäftsberichte auf eine Anregung der FWG aus dem Jahr 1999 zurückgehen, ist es gute Tradition, dass die Wertung der FWG zu dem jeweiligen Bericht die Diskussion eröffnet. Diese Diskussion war diesmal sehr lebendig, und bei großer Sachlichkeit von zahlreichen, durchaus auch kontroversen Meinungsäußerungen geprägt.

Der anwesende Geschäftsführer der WiBO und Stadtkämmerer merkte an, dass das Aloha einen enormen Standortvorteil für die Stadt darstelle, man müsse den Einwohnern, aber auch den ansiedlungswilligen bzw. vorhandenen Betrieben etwas bieten. Er frage sich im übrigen, warum sich die FWG jedes Jahr kritisch immer nur auf das Aloha konzentriere, über die Stadthalle dagegen nur Positives sage; dabei verglich er die Eintrittspreise in der Osteroder Stadthalle mit denen anderer Einrichtungen im Umfeld, die höher seien. (Dr. Wegener drückte nach der Sitzung die Hoffnung aus, im nächsten Geschäftsbericht etwas "Fettgedrucktes" auch zur Stadthalle lesen zu können).

Der SPD-Sprecher merkte an, es sei seiner Ansicht nach besser, die Eintrittspreise in kürzeren Abständen moderat anpassen, als einige Jahre zu warten mit dann höherem und evtl. nicht mehr durchsetzungsfähigen Handlungsbedarf. Seine Frage nach der Entwicklung der Einnahmen von Harzenergie konnte in der Sitzung nicht beantwortet werden, die Antwort wurde für die nächste Sitzung zugesagt (Anm.: Nach der Fusion der Westharzer Kraftwerke Osterode mit dem Goslarer Energieversorger NKW zu Harzenergie, der anschließend mit LKH fusionierte (Gremienbeschlüsse von Ende 2000 bzw. Mitte 2001) haben sich diese Erträge fast verdoppelt und betragen seitdem 4.9 Mio € 2002, 5.2 Mio. € 2003, 4.3 Mio. € 2004 5.8 Mio. € 2005, 5.7 Mio. € 2006 und 4,3 Mio. € im zweiten Nachtrag 2007). Eine weitere Frage zielte auf den finanziellen Umfang der offenbar im Waldschwimmbad Lerbach anstehenden "umfangreichen" Sanierungsarbeiten. Diese Frage wollte der Geschäftsführer der WiBO noch nicht konkret beantworten.

Geschäftsbericht 2006 der Wirtschaftsbetriebe Osterode in Zahlen

Aloha (incl. BHKW)2006/T€2005/T€ 2004/T€
Umsatzerlöse715557 575
Sonstige betriebliche Erträge incl. BHKW65243 78
Material, bezogene Leistungen,
sonstige betr. Aufwendungen, Steuern1 022806 753
Personalaufwand863739655
Kapitalkosten893894951
- Abschreibungen 566485379
- Zinsen327 410572
Defizit
- ohne Kapitalkosten1 105745755
- incl. Kapitalkosten1 9981 6401 707
Kostendeckungsgrad(Umsatzerlöse/Kosten)2006/%2005/% 2004/%
- ohne Kapitalkosten41.451.846.4
- incl . Kapitalkosten28.132.827.7
Zuschuss pro Besucher2006/€2005/€2004/€
- ohne Kapitalkosten4,743,533.50
- incl. Kapitalkosten8,587.777.92
Besucher (incl. Sauna)232 890211 018215 338

Stadthalle (incl. BHKW)2006/T€2005/T€2004/T€
Umsatzerlöse173170152
Sonstige betriebliche Erträge (incl. BHKW)1921 19
Material, bezogene Leistungen,
sonstige betr. Aufwendungen, Steuern274287281
Personalaufwand298293295
Kapitalkosten458471225
- Abschreibungen 29025589
- Zinsen168216 135
Defizit
- ohne Kapitalkosten 380389406
- incl. Kapitalkosten838860630
Kostendeckungsgrad (Umsatzerlöse/Kosten)2006/%2005/%2004/%
- ohne Kapitalkosten33.632.829.6
- incl . Kapitalkosten18.618.121.3

Der Zuschuss pro Besucher lässt sich nicht ermitteln, da die Besucherzahl bei Vermietungen (z.B. Abi-Ball) nicht ermittelt wird.

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