Geschäftsbericht 2010 der Wirtschaftsbetriebe Osterode
Von Dr.
Wolfgang Wegener (FWG)
Rekorddezit nach Fertigstellung des Sauna- und Wellnessbereiches
Mit der offiziellen
Eröffnung des erweiterten Saunagartens mit Außensauna im Dezember 2009 kamen die mehrjährigen Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen
des Osteroder Erlebnisbades Aloha zum Abschluss. Unmittelbar nach Amtsantritt des Bürgermeisters am 1. Juni
2004 waren die ursprünglichen Planungen deutlich
ausgeweitet worden waren, die Umbaumaßnahmen begannen 2005. 2010 war das erste Jahr, in dem die Auswirkungen
dieser umfangreichen Investitionen auf die Attraktivität des Aloha unbeeinträchtigt von Baumaßnahmen beobachtet werden
konnten. Interessant am Geschäftsbericht 2010
war ferner, ob und wie sich eine zum 1. April 2010 in Kraft getretene Anpassung der Eintrittspreise bemerkbar
machte.
Gleichbleibende Besucherzahlen
Während 2009 223 025 Menschen das Erlebnisbad incl. Sauna
besuchten, waren es 2010 nur noch 221 989. Von einer Attraktivitätssteigerung lässt sich daher kaum
sprechen - attraktiv leitet sich vom lateinischen attrahere: herbeiziehen, heranziehen ab. Auch im langjährigen
Vergleich zeigen sich die Besucherzahlen praktisch unabhängig von Investitionen. Die Besucherzahlen seit 1998
lassen sich recht gut durch eine Gerade annähern (s. Graphik), die praktisch parallel zur x-Achse verläuft: Die
Steigung dieser Regressionsgeraden (blau gepunktet) beträgt lediglich 1050 Besucher/Jahr.
Explodierende Folgekosten
Ein völlig anderes Bild zeigt sich bei den Folgekosten dieser
Investitionen. So stiegen die
Personalkosten 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 15,7 Prozent auf ein Allzeithoch von 1,328 Mio. Euro - allein
die Personalkosten entsprechen damit dem eineinhalbfachen der Umsatzerlöse. Praktisch gleichbleibende Besucherzahlen
bei einer Verdoppelung der Personalkosten: Da wird ja wohl die Frage erlaubt sein, was all diese zusätzlichen
Angestellten eigentlich machen?
Besucherzahlen (grün) und Personalkosten (rot) des Osteroder
Erlebnisbades Aloha.
Im langjährigen Vergleich lassen sich die Personalkosten nur ungenügend durch eine einzige
Gerade annähern, während man mit zwei Geraden zu einem befriedigenden Ergebnis kommt. Die Steigung der flacheren der beiden
Regressionsgeraden beträgt 16 678 Euro/Jahr, die Steigung der steileren Gerade
ist mit 106 500 Euro/Jahr mehr als sechsmal so hoch. Bei der Ursachenforschung gibt der Schnittpunkt beider
Geraden (2004,57) möglicherweise einen Anhaltspunkt, er liegt nämlich am 28. Juni 2004, 9:36 Uhr und damit in
zeitlicher Nähe zum Amtsantritt des Bürgermeisters. Von 1998 bis 2004 (Ägide des Stadtdirektors)
stiegen die Personalkosten um 15,5 Prozent, von 2004 bis 2010 (Bürgermeister) um 103 Prozent, haben sich also
verdoppelt. Möglicherweise - reine Spekulation - hatte der Stadtdirektor den Geschäftsführer und die Ratsmehrheit
im Griff, während es beim Bürgermeister genau anders herum ist?
Allzeithochs
Ebenfalls Allzeithochs (seit Vorlage des ersten Berichtes für das Geschäftsjahr 1998) markieren die Zuschüsse
pro Besucher des Aloha: 7,47 Euro (ohne Kapitalkosten) und 11,10 Euro (mit Kapitalkosten) legt die Stadt bei
jedem Besucher dazu. So zahlt etwa nach Erhöhung der Eintrittspreise um 20 Cent/Besucher
ein Erwachsener für 2,5 Stunden im Aqualand 2,7 Euro,
kostendeckend wären 13,80 Euro. Auch die Defizite des Aloha markieren Allzeithochs:
1,7 Mio. Euro ohne Kapitalkosten, die tatsächlichen Kosten unter Berücksichtigung des
Kapitaleinsatzes betragen 2,463 Mio. Euro/Jahr entsprechend 6 748 Euro pro Tag (!).
Fazit
Größerer Luxus zieht also keine höheren
Besucherzahlen nach sich, selbst wenn er praktisch umsonst daher kommt. Diese
Einschätzung aus dem Vorjahresbericht sehe ich durch diese Zahlen voll bestätigt, einen weiteren Ausbau des
Aloha beurteile ich daher außerordentlich kritisch. Letzteren hatte der Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe, der dieses
Amt zum 12. Dezember 2000 zeitgleich mit der zunächst kommissarischen Leitung der Kämmerei übernahm, bei der Eröffnung der Außensauna laut Zeitung vom 21. 12. 2009
mit den Worten angekündigt: "Meine Ideen und Überlegungen sind noch lange nicht ausgeschöpft" (die
Haushaltskonsolidierungskonzepte der Stadt, die er seitdem
aufgrund defizitärer Haushalte anzufertigen hat, sind demgegenüber leider regelmäßig ideenarme Dokumente
der Hilflosigkeit und erfüllen die gesetzlichen Anforderungen nicht).
Der Bürgermeister bleibt dringend
aufgefordert, den Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe sowie die Ratsmehrheit
mindestens in gleicher Weise in den Griff zu bekommen wie der Stadtdirektor bzw. in anderer geeigneter Form für
Abhilfe zu sorgen. Man könnte ja z. B. auch auf die Idee
kommen, die Besucher angemessener als bisher an den Kosten des Aloha zu beteiligen (die Eintrittspreise sind
m. E. viel zu niedrig) und die Mehrerträge an den defizitären Stadthaushalt abzuführen. Die Mehrerträge nach
der Erhöhung der Eintrittspreise sind mit gut 44 000 Euro jedenfalls marginal.
Geschäftsbericht 2010 der Wirtschaftsbetriebe Osterode in Zahlen
Aloha (incl. BHKW)
2010/T€
2009/T€
Umsatzerlöse
788
744
Sonstige betriebliche Erträge incl. BHKW
72
72
Material, bezogene Leistungen,
sonstige betr. Aufwendungen, Steuern
1 191
1 299
Personalaufwand
1 328
1 148
Kapitalkosten
805
810
- Abschreibungen
593
570
- Zinsen
212
240
Defizit
- ohne Kapitalkosten
1 659
1 631
- incl. Kapitalkosten
2 463
2 441
Kostendeckungsgrad(Umsatzerlöse/Kosten)
2010/%
2009/%
- ohne Kapitalkosten
34.2
33.4
- incl . Kapitalkosten
25.9
25.1
Zuschuss pro Besucher
2010/€
2009/€
- ohne Kapitalkosten
7.47
7.31
- incl. Kapitalkosten
11.10
10.94
Besucher (incl. Sauna)
221 989
223 025
Stadthalle (incl. BHKW)
2010/T€
2009/T€
Umsatzerlöse
161
156
Sonstige betriebliche Erträge (incl. BHKW)
51
9
Material, bezogene Leistungen,
sonstige betr. Aufwendungen, Steuern
365
399
Personalaufwand
379
341
Kapitalkosten
279
301
- Abschreibungen
205
212
- Zinsen
73
89
Defizit
- ohne Kapitalkosten
532
575
- incl. Kapitalkosten
810
875
Kostendeckungsgrad
(Umsatzerlöse/Kosten)
2010/%
2009/%
- ohne Kapitalkosten
28.5
22.4
- incl . Kapitalkosten
20.8
15.9
Der
Zuschuss pro Besucher lässt sich nicht ermitteln, da die Besucherzahl bei Vermietungen (z.B. Abi-Ball) nicht
ermittelt wird.
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